FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2014
287 www.fondsprofessionell.de | 3/2014 jeder Anlage muss man die Chancen mit den Risiken abwägen. Wer sich jedoch mit der Technologie und der vorhandenen Limitierung der Bitcoins genauer befasst, sieht durchaus Potenzial. Inzwischen kon- taktieren uns Family Offices, weil sie di- versifizieren und ein bis zwei Prozent ihres Vermögens in Bitcoins anlegen möchten, um ihre Rendite zu steigern. Es kommen immer mehr traditionelle Spieler auf den Markt, die es nicht für völlig unrealistisch halten, dass Bitcoins einmal dem Gold äh- neln werden. 1995 rechnete auch niemand damit, dass Google einmal das teuerste Unternehmen der Welt sein würde. Ich kenne keinen Menschen, der damals das Potenzial des Internets auch nur ansatz- weise erahnt hat. Mittlerweile verändert das Netz ganze Geschäftsmodelle, so ist beispielsweise die Medien- und die Buch- branche im Umbruch, und auch der klas- sische Einzelhandel wird immer mehr zur Randerscheinung. Welche Finanzprodukte bieten sich für den spekulativen Anleger an? Flaskämper: Wer investieren möchte, dem bleibt aktuell nur die Möglichkeit, Bitcoins di- rekt zu erwerben. In der Vergangenheit konnte man binäre Optionen auf Bitcoins handeln, hier haben sich aber fast alle Anbieter zurück- gezogen. In den USA investiert ein Hedge- fonds namens Second Markets in Bitcoins, die Einstiegssummen bewegen sich hier im sechs- stelligen Bereich. Und die Winkelvoss-Brüder, die Facebook mit aufgebaut haben, beantrag- ten kürzlich eine Zulassung für einen Bitcoin- Fonds bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, der Fonds soll noch in diesem Jahr star- ten. Und natürlich kann man auch direkt in Unternehmen, die als Dienstleister im Bitcoin- Bereich tätig sind, investieren. Sie bezeichnen Bitcoins als das digitale Gold der Zukunft mit Bezahlfunktion. Wie macht sich der Bitcoin bisher als Zahlungsmittel? Flaskämper: Der Bitcoin als Zahlungsmittel hat definitiv Nachholbedarf. Im Markt passiert aber momentan sehr viel. So nimmt Dell.com, einer der weltweit größten Computerhersteller, seit Juli Bitcoins als Zahlungsmittel an. Auch Expedia.com akzeptiert das Cybergeld, und bei Wikipedia kann man damit spenden. Da das digitale Geld in Sekundenschnelle trans- feriert werden kann, denken immer mehr Zah- lungsanbieter über einen Einsatz nach. Viel- leicht nutzen auch bald Ebay oder Paypal die Vorteile der Kryptowährung. Da möchten wir kurz einhaken: Wer öfters Waren im Internet bezieht, trifft bereits jetzt auf ein großes Angebot an Bezahlwegen wie etwa Paypal. Warum sollten Bitcoins da die Nase vorn haben? Flaskämper: Die traditionellen Zahlungs- anbieter lassen sich ihre Dienstleistung vom Händler bezahlen. So nimmt Paypal Gebühren von rund 1,5 bis drei Prozent der Rechnungssumme. Diese Kosten fal- len beim Bitcoin nicht an. Außerdem kann mir als Verkäufer kein Zahlungsdienstleis- ter vorschreiben, welche Produkte ich ver- treibe. Und im Gegensatz zu eingezogenen Lastschriften, die zurückgebucht werden können, verbleiben einmal eingenommene Bitcoins definitiv beim Händler. Welche weiteren Pläne haben Sie mit der Fidor Bank und IhremMarktplatz? Flaskämper: Wir bereiten gerade den Bör- sengang der Bitcoin Deutschland AG vor. Wir wären damit europaweit das erste börsenno- tierte Unternehmen aus dem Bitcoin-Bereich – und bei den Handelsplätzen sogar weltweit der erste gelistete Anbieter. Mittelfristig wol- len wir die Erlaubnis für den Betrieb einer Bitcoin-Börse bei der BaFin beantragen, zur- zeit betreiben wir aus rechtlicher Sicht noch einen Marktplatz. Auch die Kooperation mit der Fidor Bank möchten wir gern ausbauen. Zum einen werden wir bald einen nahezu Echtzeithandel von Bitcoins anbieten können, bei dem die passende Bezahlung über Bank- konten der Fidor Bank AG erfolgt. Und dann gibt es etwa für den Bitcoin noch keinen Zah- lungsanbieter, der aus Deutschland stammt. In diese Lücke möchten wir stoßen. Vielen Dank für das Gespräch . FP Oliver Flaskämper: „Inzwischen kontaktieren uns Family Offices, weil sie ihre Investments mit Bitcoins diversifizieren möchten.“ Die Kritik an der digitalen Währung Bitcoin reißt nicht ab Der Japaner Satoshi Nakamoto gilt als Erfinder des Bit- coin. Er stellte im Jahr 2009 ein neunseitiges PDF-Do- kument ins Netz, in dem er die Idee der dezentralen freien Währung veröffentlichte – in einem Forum für Kryptologie. Nach drei Monaten setzten dann einige Programmierer das Konzept in die Tat um. Anfangs gab es noch keinen Kurs für die neue Währung, es war eine reine Spielerei von engagierten Informatikern. Neben der französischen Nationalbank verbietet die Peoples Bank of China Geschäfte auf Basis der neuen Währung. Auch die Verbraucherzentrale in Nordrhein- Westfalen rät aufgrund massiver Kursschwankungen und fehlender Sicherungssysteme davon ab, in Bitcoins zu investieren – wer trotzdem spekuliere, riskiere den Verlust des eingesetzten Kapitals. Im Juli forderte die europäische Bankenaufsicht EBA dazu auf, alle Kryptowährungen zu regulieren. Die Liste der Risiken ist lang: Kritiker befürch- ten, dass Gelder aus kriminellen Aktivitäten durch die anonyme Nutzung des Bitcoin leichter gewaschen werden können. Außerdem drohen Hackerangriffe wie beispiels- weise im Februar 2014 auf den japanischen Anbieter Mt. Gox, die zur Insolvenz der bis dato weltweit größten Handelsplattform für Bitcoins geführt haben. Es gibt aber auch ganz profane Probleme: Wenn der pri- vate Computer kaputt geht, können darauf gespeicherte Bitcoins verloren gehen. Auch gestandene Finanzanlage- berater raten von einer Investition ab: „Im Gegensatz zum Euro verbrieft der Bitcoin keine Rechte für irgendetwas“, mahnt beispielsweise Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau. „Es gibt keinen Vertragspartner, es gibt keinen Rechtsanspruch, und es gibt auch keinen Vertrags- gegenstand.“ Entwicklung des Bitcoin-Kurses auf bitcoin.de seit den vergangen drei Jahren. 2011 2014 2012 0 200 400 600 100 300 500 700 Euro/Bitcoin 2012
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