FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2015
253 www.fondsprofessionell.de | 3/2015 ren soll. „Natürlich taucht da auch schon mal ein uneheliches Kind auf“, sagt der Nachlass- planer. Oder die Geliebte, für die später ein- mal auch gesorgt sein soll. Dann muss Rip- perger eventuell spekulative Investments in si- chere Fonds umwandeln oder eine Lebensver- sicherung vermitteln. „Der Verkauf von Finanzprodukten ist aber nicht mein vorrangiges Ziel“, sagt der Estate Planner. Viel wichtiger ist es ihm, einen tiefen Einblick in die Vermögens- und Familien- strukturen seiner Kunden zu erhalten. Durch das enge Vertrauensverhältnis, das sich nach und nach aufbaut, wenden sich die Erben später oft mit Fragen an ihn. Und sie bleiben ihm treu, wenn sie sich selbst in Sachen Ver- mögen beraten lassen möchten. „Das Schöne am Estate Planning ist, dass man schon heute die Generation von morgen an sich bindet“, sagt Ripperger. Angesichts der Tatsache, dass Kunden imAlter von über 60 Jahren für rund 55 Prozent der Vermögensanlagen der Main- zer Volksbank stehen, ist das ein durchaus ein lukratives Geschäft. Die Erbschaftswelle rollt Wie groß die vielbeschworene Erbschafts- welle, die auf Deutschland zurollt, tatsächlich ist, können Ökonomen nicht zuverlässig be- ziffern. Fest steht aber: Sie rollt. So kommt das DIW in seiner jüngsten Studie zu dem Schluss, dass hierzulande derzeit 62 Milliar- den Euro pro Jahr vererbt werden. Forscher der Freien Universität Berlin gehen von einem jährlichen Erbschaftsvolumen von 64 Milliar- den Euro aus. Und das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung, das im Mai 2013 ein Kurzgutachten zu einer möglichen Reform der Vermögenssteuer in Deutschland erstellt hat, kommt auf 65 Milliarden Euro. Allerdings erfassen Steuerstatistiken nur das übertragene Vermögen, an dem der Fiskus mitverdient. Freibeträge oder Schenkungen fließen in die Datenbasis nicht ein. Daher überschreitet die tatsächliche Summe selbst diese 65 Milliarden Euro vermutlich noch um ein Vielfaches. „Dass beim Thema Erben und Vererben enormer Beratungsbedarf besteht, haben wir schon vor Jahren bemerkt“, berichtet Volker Reichardt, Estate Planner bei der Sparkasse Düsseldorf. „Damals haben wir Informations- veranstaltungen organisiert, die immer großen Zuspruch fanden“, erinnert er sich. Nur weni- ge Teilnehmer haben danach ein individuelles Beratungsgespräch geführt. „Wir haben da- raufhin unser Angebot zur persönlichen Nach- lassplanung überarbeitet“, sagt Reichardt. Wenn er Kunden heute einfühlsam frage, wie sie ihre Angehörigen denn für später absichern wollten, zeigten sie in der Regel sehr schnell Interesse an einer individuellen Planung des Nachlasses. „Nach dem dritten Gespräch öff- nen die Kunden sich meist ganz“, sagt Rei- chardt. Dann dauere es nicht mehr lange, bis er sie mitsamt ihrer Familien beraten könne. Achtung, Rechtsfallen! Dabei bewegt sich Reichardt rechtlich oft auf einem schmalen Grat. Denn Estate Plan- ner kennen sich im Steuer- und Erbschafts- recht meist genauso gut aus wie in der Anla- ge- und Vermögensberatung. Das bringt ihre Ausbildung mit sich. Dennoch dürfen sie nicht wie Steuerberater, Rechtsanwälte oder Notare agieren. Was erlaubt ist, regelt Paragraf 5 Absatz 1 des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG). Dieser definiert, dass Nicht-Juristen Ausbildungsmöglichkeiten für Berufe im Nachlassmanagement Dauer der Anbieter Ausbildung/Abschluss Ausbildung Kosten zzgl. MwSt. Website Deutscher Steuerberater- Fachberater für Unternehmensnachfolge (DStV), Beide Kurse: Beide Kurse: dstv.de Verband e.V. (DStV); Berlin Fachberater für Testamentsvollstreckung und 20 Tage Mitglieder: 3.620 Euro (inkl. Prüfung); Nachlassverwaltung (DStV) Sonstige: 3.920 Euro (inkl. Prüfung) Europäische Akademie für Finanz- Zertifizierter 6 Tage Kurs: 1.925 Euro; eafp.de planung (EAFP); Bad Homburg Erbschaftsplaner (EAFP) Prüfung: 180 Euro Europäisches Institut zur Ökonom/-in Betreuung und Vorsorge (EU-SV) Alle Kurse: 590 Euro eu-sv.eu Sicherung der Vermögens- Ökonom/-in Nachlass (EU-SV) individuell 590 Euro nachfolge EWIV (EU-SV); Ökonom/-in Testamentsvollstreckung (EU-SV) 590 Euro Bochum Ökonom/-in Nachlasssicherung (EU-SV) 590 Euro Diplom-Ökonom/-in Vermögensnachfolge (EU-SV)¹ 1.970 Euro Fachseminare von Fürsten- Zertifizierter 5 Tage 1.490 Euro fachseminare-von- berg GmbH & Co. KG; Köln Testamentsvollstrecker (AGT) 2 fuerstenberg.de Frankfurt School of Finance Estate Planner (Frankfurt School 18 Tage 8.650 Euro 4 frankfurt-school.de & Management; Frankfurt of Finance & Management) (CEFP) 3 Gene GmbH; München Generationenberatung Privatkunden (Teilnahmebestätigung) 2 Tage Individuell gene-institut.de Generationenberatung Firmenkunden (Teilnahmebestätigung) 3 Tage Individuell Zertifizierter Generationenberater (ZGB) 5 12 Tage 4.860 Euro Estate Planner (CEP) 5 9 Tage 64.020 Euro 6 Private Finance Institute/EBS Testmentsvollstrecker (EBS) 5 Tage 2.695 Euro ebs-finanzakademie.de Finanzakademie (PFI/EBS); Estate Planner (CEFP) 3 18 Tage 8.925 Euro Oestrich-Winkel ¹setzt den erfolgreichen Abschluss der drei vorangehenden Kurse voraus | 2 setzt Zertifizierung beim AGT voraus | 3 Titel „Certified Foundation and Estate Planner“ (CEFP) setzt Zertifizierung beim FPSB e.V. voraus | 4 mehrwertsteuer- befreit | 5 Titel „Zertifizierter Generationenberater“ (ZGB) und „Certified Estate Planner“ (CEP) setzen Zertifizierung beim VEPD e.V. voraus | 6 inkl. MwSt. Quelle: Angaben der Ausbildungseinrichtungen Heinz Ripperger, Estate Planner: „Der Verkauf von Finanzprodukten ist nicht mein vorrangiges Ziel.“
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