FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2018
men Ethik und Nachhaltigkeit sind ja nicht nur schwarz oder weiß. Da gibt es viele Grau- töne, und es gilt die Frage zu klären, wie grau der Ton sein darf. Unsere Herausforderung ist, dass es weltweit kein Unternehmen gibt, das absolut nachhaltig aufgestellt ist. Bei den An- lageentscheidungen befinden wir uns oftmals in einem Dilemma, das es aufzulösen gilt. Da- bei hilft uns unser international aufgestellter Ethikrat. Da gibt es beispielsweise Pater Godi aus Indonesien, Schwester Magdalena aus Österreich und Schwester Carmen aus Argen- tinien. Und mit Klaus Gabriel sitzt ein ausge- wiesener Fachmann für ethische Investments in diesem Gremium. Dazu gehören auch Ban- ker und Fondsmanager mit umfangreichen Erfahrungen. Wir führen oftmals Diskussio- nen über die Ausschlusskriterien. Soll man ganze Länder ausschließen, zum Beispiel Frankreich, die den Atomausstieg nicht voll- zogen haben? Und wie sieht es dann mit dem Kauf einer Anleihe der Stadt Paris aus? Investments in Entwicklungs- oder Schwellenländer unterliegen oftmals an- deren Maßstäben als in industrialisierten Ländern. Können Sie dort mit den glei- chen, strengen Kriterien agieren? Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alles durch die deutsche Brille sehen. Mancherorts gelten andere Maßstäbe, als wir es gewohnt sind. Ein Beispiel ist das Thema Kinderarbeit: Unsere Ordensgesellschaft ist in 84 Ländern aktiv, da achten wir darauf, dass gewisse Min- deststandards zwingend gewährleistet sind, aber wir können dort nicht die strengen deutschen Gesetze anwenden. Da bitten wir oftmals die Missionare vor Ort um ihre Einschätzung. Sie setzen die Missionare als sogenannte Ethikscouts ein. Können Sie deren Auf- gabe und Arbeit näher erläutern? Wie werden die Ethikscouts von den Unter- nehmen aufgenommen? Die Missionare sitzen an den Brennpunkten in der Welt, etwa in Mittel- und Südamerika oder in Südostasien. Beispielsweise sind uns kürzlich aus Indonesien Bilder eines zerstörten Regenwaldes, der dem Palmölanbau zum Opfer fiel, zugespielt worden. So gelangen einerseits Informationen von den Missionaren zu uns, andererseits fragen wir auch bei den Missionaren nach, wenn uns Missstände be- kannt werden sollten. Wir müssen bei unseren Aktivitäten vorsichtig sein, da die Patres oft- mals in Ländern tätig sind, die unter starker staatlicher Kontrolle stehen. Eine Kollegin hat einmal ein Bergbauunternehmen in Indien 297 www.fondsprofessionell.de | 1/2018 » Die Themen Ethik und Nachhaltigkeit sind ja nicht nur schwarz oder weiß. Da gibt es viele Grautöne. « Norbert Wolf, Steyler Bank Bioladen “
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