FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2021

Roland Schmitt, Geschäftsführer von Zusammen Zuhause, einer auf betreutes Wohnen spezialisierten Hausverwaltung, formuliert jedoch seine Zweifel an der Praxistauglichkeit des Kategorienapparats, der seiner Meinung nach versucht, zu vie- len Perspektiven gerecht zu werden: „Die GIF vergleicht ihr System gern mit den Hotelsternen des Dehoga“, sagt Schmitt. „Das ist jedoch nicht unbedingt ein Quali- tätsmerkmal.“ Schließlich frage heute auch bei Hotels niemand mehr, wie viele Sterne der Hotel- und Gaststätten- verband vergeben hat,wichtiger seien die Kundenbewertungen auf Boo- king.com oder Google. Ebenso wenig helfe das Klassi zie- rungssystem einem Finanzier, der wissen wolle, welche Kosten die Projektentwicklung mit sich bringt, wann sich die Anlage amortisiert ha- ben dürfte oder welche Bonität ein Investor hat. Darauf gäbe es allenfalls indirekte Antworten. „Der Kriterien- katalog der GIF“, fasst Schmitt seine Kritik zusammen, „vermischt Service und Gebäude und wird so weder Betreibern noch Erbauern gerecht. Er möchte präzise und umfassend sein, doch er konzentriert sich zu sehr auf Quantität statt auf Qualität.“ Terragon-Chef Held sieht das anders.Das Bewertungssystem sei vor allem amOrien- tierungsbedürfnis des Endkunden ausge- richtet, und gerade da helfe die Vereinfa- chung, die das System biete. „Doch auch Eigentümer und Betreiber nden darin gleich mehrere Stellschrauben, die ihnen die Bewertung eines Objekts in der Kosten- Nutzen-Betrachtung ermöglichen.“ Mit der DIN 77800 gibt es einen wei- teren Ansatz, die Qualitätsanforderung an die Wohnform des betreuten Wohnens zu standardisieren. Auf ihrer Basis können sich Anbieter von entsprechenden Stellen, bei- spielsweise der zum TÜV Rheinland gehö- renden DIN Certco, zerti zieren lassen. Der Markt brummt Seit einigen Jahren dominieren institu- tionelle Investoren, die komplette Service- wohnanlagen oder gleich ganze Portfolios kaufen, den Markt. „Die investive Nachfra- geseite ist unglaublich stark“, sagt Michael Held. „Wir können gar nicht so viel produ- zieren, wie wir verkaufen könnten.“Gemäß einer aktuellen Marktuntersuchung des Immobiliendienstleisters CBRE stehen Objekte betreuten Wohnens mit 33 Pro- zent Marktvolumen auf Platz zwei hinter P egeheimen. „Betreutes Wohnen ist mitt- lerweile etabliert und wird verstärkt von Investoren nachgefragt“, sagt Dirk Richolt, Leiter Gesundheitsimmobi- lien bei CBRE. Sein Teamkollege vom Research, Jan Linsin, schüttet jedoch gleich ein wenig Wasser in den Wein: „Aufgrund der hohen Investorennachfrage in Verbindung mit der mangelnden Produktverfüg- barkeit kann langfristig von steigen- den Preisen und damit von weiter sinkenden Ankaufsrenditen ausge- gangen werden.“ Die Publikums- fonds „Living &Working“von Swiss Life und „HC1“ von Verifort Capital haben bereits Objekte ambulant betreuten Wohnens erworben. TILMAN WELTHER FP Daheim vor Heim Wo Pflegebedürftige versorgt werden Der Anteil ambulanter Dienste bei der Versorgung Pflege- bedürftiger wächst. N=4,1MillionenBundesbürger |Quelle:StatistischesBundesamt,2021 Vollstationär in Heimen 19,8 % Zu Hause durch Angehörige 56,4 % Zu Hause durch ambulante Dienste 23,8 % Dirk Richolt, CBRE: „Betreutes Wohnen ist mittler- weile etabliert und wird verstärkt von Investoren nachgefragt.“ Matthias Blank, Verifort Capital: „Dem Bewohner muss freigestellt sein, mit wem er einen Pflege- dienstvertrag schließt.“ » Langfristig steigen die Preise und sinken die Ankaufsrenditen. « Jan Linsin, CBRE SACHWERTE Sozialimmobilien 192 fondsprofessionell.de 3/2021 FOTO: © VERIFORT CAPITAL, FABIAN HILD

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