FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2021

prämie aufrufen. Michael Franke, Ge- schäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg, sieht darin „deutliche Tendenzen zur Unterkalkulation“. Ein solches Pricing sei nur schwer mit einer strengen Risiko- selektion zu rechtfertigen. Dagegen kalku- lieren andere Anbieter sehr viel vorsichtiger. Allianz, Generali und Hanse-Merkur etwa verlangen für den Tischler mindestens 18 Prozent mehr Nettobeitrag als der Durch- schnitt. Die WWK hat ihre frühere Unter- kalkulation (siehe Ausgabe 2/2018, Seite 316) o enbar völlig über Bord geworfen und verlangt jetzt eher Abwehrkonditio- nen: Ihr Nettobeitrag für den Beispiel- Tischler liegt dem Map-Report zufolge 72 Prozent über dem Durchschnitt. „Gute Risiken“ wandern ab In den vergangenen Jahren wurden im- mer neue Berufsgruppen eingeführt, was zu Wanderbewegungen der „guten Risi- ken“, also gesunder Kunden, zu den Anbie- tern führte, bei denen sie Geld sparen kön- nen. „Das sorgt für eine negative Entmi- schung der bestehenden Gewinnverbände und damit für Druck auf die Überschuss- beteiligung“, folgert Klages. Die früher brei- ter angelegten Gewinnverbände mit nur vier Berufsgruppen hatten einen anderen Risikomix, der sich durch die Entmischung kaum noch sta- bil halten lässt, da der Risiko- ausgleich nicht mehr statt n- den kann. „Die immer stärke- re Selektion in immer spezi - schere Risikogruppen wider- spricht dem ursprünglichen Versicherungsgedanken“, sagt Klages. Dadurch könne die anfängliche Freude über nied- rige Prämien schnell ins Gegenteil umschlagen, wenn sich Überschüsse nicht mehr halten lassen und der anfangs günstige Nettobeitrag in Richtung des maximal zuläs- sigen Bruttobeitrags klettert. Die BU-Überschüsse der Versicherer und deren Stabilität stehen im Zentrum des BU-Stabilitätsratings und haben mit etwas über 30 Prozent die höchste Gewichtung. Kein Wunder: Risikoüberschüsse sind das Ergebnis einer vorsichtigen Kalkulation. Sie entstehen, wenn das tatsächliche Risiko unterhalb der kalkulierten BU-Wahrschein- lichkeit verläuft. „Senkungen der Über- schüsse sind der stärkste Indikator dafür, dass die Kalkulation schon in der Vergan- genheit nur teilweise aufgegangen ist“, weiß Klages. Leidtragende seien die Kunden.Na- men für nachgewiesene Unterkalkulation wollen Franke und Klages nicht nennen. Beide betonen, dass die kalkulierte Prämie im Vergleich zumMarktdurchschnitt einer von vielen Parametern ist, die Aufschluss geben über die langfristige Stabilität des BU-Geschäfts. „Es geht letztlich um die Summe der Schwachstellen“, betont Franke. Aber wer 20 Prozent und mehr unter dem Durchschnittsbeitrag verlangt, sei in Gefahr einer Unterkalkulation, wenn noch andere Indizien hinzukommen. Kritische Nachfragen Makler sollten sich bei Gesellschaften, die im Stabilitätsrating schlecht abschnei- den, daher zu hartnäckigen Nachfragen veranlasst sehen, ehe BU-Geschäft einge- deckt wird. Andere, die der Untersuchung von vornherein fernblieben, sollten alle- samt kritisch hinterfragt werden. Gleich- wohl wehren sich die meisten gegen den Vorwurf der Unter- kalkulation. Die Dialog etwa sieht die eigene Preispositio- nierung als „angemessen“ an, die Tarife seien unter Einhal- tung aller regulatorischer Rahmenbedingungen mit ausreichenden Sicherheiten kalkuliert. Die geringere Brut- to-Netto-Spreizung sei ein Vorteil für den Kunden, zu- dem habe die Dialog „noch niemals ihre Nettoprämien im Bestand erhöht“. Also viel Wind um nichts? Wohl kaum, denn mancher Versicherer musste in der jün- Jeder Fünfte geht leer aus Berufsunfähigkeit: Quote der Anerkennung nach Rentenhöhe Die Versicherer lehnen gut 20 Prozent der Anträge auf BU-Rente ab, zeigt eine Auswertung von Franke und Bornberg. Quelle:FrankeundBornberg:BU-Leistungspraxis-Studie2021 » Der pauschale Vorwurf, die BU-Versicherer wollten sich vor der Leistung drücken, geht ins Leere. « Michael Franke, Franke und Bornberg fondsprofessionell.de 3/2021 259

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=