FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2021

Durch unseren Venture-Capital-Hinter- grund bringen wir einen ganz anderen Investmentansatz im Vergleich zu einem klassischen Fondsmanager mit. Wir verlas- sen uns bewusst nicht allein auf traditionel- le Kennzahlen wie Bilanzanalysen, Umsatz- und Gewinnprognosen oder Buchwerte und Kurs-Gewinn-Verhältnisse. Das sind Kategorien, mit denen sich das Potenzial von disruptiv agierenden Technologieunter- nehmen, die in den vergangenen zwei Jah- ren an den Kapitalmarkt gekommen sind, nicht angemessen bewerten lassen. Was sind denn Ihre Bewertungskriterien? Wir wollen wissen, ob ein Unternehmen wirklich das Potenzial mitbringt, die tech- nologische Führerschaft in seinem jewei- ligen Sektor zu übernehmen. Deshalb suchen wir bewusst das direkte Gespräch mit dem Management und seinem Team, hören uns deren Podcasts und Youtube- Präsentationen an und testen deren Pro- dukte möglichst selbst.Wir wollen einfach die DNA eines Unternehmens im Detail verstehen. Für uns spielen zudem relevante Netzwerke ekte, aber auch der Umgang mit Investitionen in Forschung und Ent- wicklung eine besondere Rolle. Nicht zuletzt analysieren wir die E zienz, mit der ein Unternehmen sein Kapital einsetzt. Im Prinzip sind es die gleichen Kriterien, wie wir sie auch im Venture-Capital- Geschäft anwenden. Wir sehen uns damit als Teil einer neuen Fondswelt, die sich erheblich von der alten unterscheidet. Was genau meinen Sie mit dieser „neuen Fondswelt“? Ich sehe unseren Ansatz eher im Einklang mit einer Investorin wie Cathy Wood von Ark Investment, deren Fonds bisher noch nicht in Europa zugänglich sind, oder auch einem Fondsmanager wie Jan Beckers von BIT Capital. Beide haben gezeigt, dass sich mit einem fundamental neuen Investment- ansatz und der Bereitschaft zur Volatilität eine tolle Performance erzielen lässt. Wie sehen denn Ihre Performanceziele aus? Wir wollen jedenfalls mehr erreichen als die sieben Prozent, die üblicherweise als mögliche Performance eines durchschnitt- lichen Aktienfonds genannt werden. Wir streben an, das Geld unserer Anleger über einen Zeitraum von vier bis acht Jahren zu verdreifachen. Aber was lässt Sie denn glauben, mit einem Publikumsfonds eine ähnlich hohe Performance wie bei einem Venture-Capi- tal-Investment erzielen zu können? Auch in dieser Beziehung haben sich die Kapitalmärkte in der jüngeren Zeit erheb- lich verändert. Gerade disruptiv agierende Technologie-Start-ups sind in den vergange- nen 24 Monaten vermehrt durch entspre- chende IPOs an die Börse gegangen, und das oft deutlich frühphasiger als bei klassi- schen Börsengängen. Interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang auch ein Hinweis aus dem Partnerkreis von Sequoia Capital, immerhin eines der weltweit bedeutendsten Venture-Capital-Unterneh- men, wenn nicht sogar das beste. Hätte man die von Sequoia nanzierten Soft- wareunternehmen zum Zeitpunkt ihres IPOs gekauft und bis heute gehalten, hätte man mehr damit verdient als Sequoia selbst in der Vor-IPO-Phase. Nennen Sie uns einige Beispiele für Unter- nehmen, die Sie für Ihren Fonds kaufen? Dazu gehören unter anderem Unterneh- men wie der Softwarekonzern Palantir, die Krypto-Handelsplattform Coinbase, das Software-as-a-Service-Unternehmen Hub- spot oder auch die Biotech-Werte Fate und Ginkgo Bioworks. Bei Tesla sehen wir noch deutliches weiteres Potenzial nach oben. Auch bei chinesischen Technologie- unternehmen wie Tencent glauben wir trotz der regulatorischen Herausforderun- gen an die langfristige Stärke. Eine Aktie ist » Im Prinzip sind es die gleichen Kriterien, wie wir sie auch im Venture-Capital- Geschäft anwenden. « Frank Thelen, Freigeist Capital FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH 334 fondsprofessionell.de 3/2021 VERTRIEB & PRAXIS Frank Thelen | Freigeist Capital

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