FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2021

weise eines Tages ein Betrugsfall passieren. Nachhaltig heißt darum zukunftsfähiger. Wenn man den Kunden dann noch zeigen kann, dass dies keine Performancenachteile mit sich bringt, sind sie schnell überzeugt. Das Schlagwort Nachhaltigkeit spielt bei einemweiteren Schritt eine Rolle: Sie haben angekündigt, Ihre hauseigenen ESG-Fonds künftig breiter vermarkten zu wollen, und mit Marcel Andretzki einen Spezialisten für denWholesale-Vertrieb an Bord geholt. Wir haben ja sehr gute Fonds in unserem Angebot – warum die dann nicht auch einem breiteren Markt anbieten? Zudem hat der Konzern mit ABN Amro Invest- ment Solutions eine Einheit, die sich da- rauf spezialisiert hat, Investmentstrategien aus der ganzen Welt Anlegern in Europa zugänglich zu machen. Dieses Angebot ist unserer Meinung nach so interessant, dass wir es ebenfalls in Deutschland deutlich o ensiver vermarkten wollen als bisher. Akzeptieren es die wohlhabenden Beth- mann-Kunden denn, dass „ihre“ Fonds plötzlich nicht mehr exklusiv ihnen vorbe- halten, sondern für jeden zu haben sind? Der Fonds ist ja nur ein kleiner Teil der Lösung, die unsere Kunden als Ergebnis einer intensiven Beratung erhalten. Ihnen ist klar, dass andere Anleger diese Dienst- leistung nicht bekommen. Wie steht es generell mit der Akzeptanz von Fonds? Ist dieser Zielgruppe nicht eine „echte“ Vermögensverwaltung lieber? Im Wesentlichen ist ja erst mal die Bera- tung unsere Dienstleistung – unabhängig vom angebotenen Produkt. Bei Kunden mit hohem Volumen steht der Fonds zu Unrecht im Schatten, und das wollen wir ändern. In der Vergangenheit war ein Fonds zum Beispiel mit einer jährlichen Gebühr von 1,5 Prozent belegt, während für die Einzeltitelvermögensverwaltung vielleicht 1,0 Prozent an elen. Darum war klar, dass sich die meisten für die Vermögensverwal- tung entscheiden. Wir haben es jetzt aber beispielsweise für die Produktlösung „Beth- mann Nachhaltigkeit Ausgewogen“ ge- scha t, den Fonds für unsere Kunden sogar etwas günstiger anzubieten als die Vermö- gensverwaltung – bei gleichem Inhalt, also identischer Anlagestrategie.Denn der Fonds hat große Vorteile, etwa mit Blick auf die Steuern und das Reporting. Lösen Sie das mit eigenen Anteilsklassen? Ja, wir haben günstige Anteilsklassen mit recht hohen Mindestanlagesummen aufge- legt. Über einen Zusatzvertrag können wir den Preis dann exibel gestalten. Jetzt kann der Kunde frei wählen, ob er lieber Einzel- titel imDepot hätte oder einen Fonds.Wir bieten zu jeder Vermögensverwaltung den passenden Fonds. Der Fonds hat viele Vor- teile, auch für die gehobene Kundschaft. Überlegen Sie, sich abseits der Fonds auch in anderer Hinsicht für Kunden mit kleine- remGeld zu öffnen, etwa über einen Robo? Grundsätzlich möchten wir unsere Ziel- gruppe über unsere Beratungsleistung an- sprechen. Dabei wenden wir uns durchaus schon an die nächste Generation und halten es auch aus, wenn diese Kunden anfangs kein großes Volumen mitbringen. Der einzige Grund, einen Robo-Advisor zu starten, wäre, das Know-how unseres Chef- anlagestrategen Reinhard P ngsten und seines Teams einem breiteren Publikum anzubieten. Ein solches Tool würden wir aber nicht neu entwickeln, sondern uns am Markt nach bestehenden technischen Lösungen umschauen. Vielen Dank für das Gespräch. BERND MIKOSCH FP KURZ-VITA: Nicolas von Loeper Nicolas von Loeper, Jahrgang 1970, begann seine Karriere als Kundenberater bei der Dresdner Bank und arbeitete als Consul- tant für Accenture. Zur Jahrtausendwende stieg der Betriebs- wirt bei der Deutschen Bank ein, die ihn 2013 in den Vorstand der Tochter Sal. Oppenheim berief. Seit April 2019 ist der gebürtige Kölner Privatkundenvorstand der Bethmann Bank. » Über 90 Prozent des Neugeschäfts fließen in die nachhaltige Vermögensverwaltung. « Nicolas von Loeper, Bethmann Bank FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH 370 fondsprofessionell.de 3/2021 BANK & FONDS Nicolas von Loeper | Bethmann Bank

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