FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2023

barkeit der Objekte. Im Einzelhandels- bereich haben wir hingegen diversi ziert. Früher hatten wir nur Shoppingcenter, die haben wir ergänzt um Fachmärkte, „Highstreet-Retail“und Lebensmitteleinzel- handel.Das Segment Logistik haben wir so früh, nämlich 2008, aufzubauen begonnen, dass wir selbst nach dem jüngsten Preis- verfall immer noch einen komfortablen Puffer gegenüber unserem Einstiegspreis haben. Im Segment Hotel waren wir zu- nächst mit Business Hotels unterwegs, ergänzten aber schon früh den Bereich Budget Hotel, seit Kurzem investieren wir zusätzlich in Ferienhotellerie. Aber wir sind kein Nischenplayer. Wir sind ein traditio- neller Immobilienfonds, der auf die Haupt- nutzungsarten setzt. Sie haben drei Ihrer Fonds regional gela- belt: Deutschland, Europa, Global. Die Port- folios sind aber nicht so ganz sortenrein, beispielsweise liegt fast ein Drittel der Verkehrswerte im Portfolio des Uniimmo Europa außerhalb Europas. Welche Rolle spielt der Fondsname noch? Es geht darum, regionale Schwerpunkte zu setzen und zusätzlich Chancen in anderen Wirtschaftsräumen zu nutzen. Unsere Ver- triebspartner und der Kunde wissen genau, was sie mit dem jeweiligen Produkt kaufen beziehungsweise verkaufen. Das Problem, das Immobilienfonds früher mit Vermi- schungen und unklaren Grenzziehungen hatten, war ja ein anderes, nämlich die Ver- mischung von privaten und institutionel- len Geldern. Das hatte zu Ungleichgewich- ten geführt und ließ uns frühzeitig Produk- te für private und institutionelle Kunden voneinander trennen, sodass die jeweiligen Anlagestile nicht vermischt werden. Offenlegungsverordnung und EU-Taxono- mie: Beflügeln die Ihr Geschäft oder behin- dern sie es eher? Sie be ügeln. Einfach weil Nachhaltigkeit eine Notwendigkeit ist, die die Zukunfts- fähigkeit unserer Produkte ausmachen wird. Wir haben alle Publikumsfonds so- wohl auf der institutionellen als auch auf der Privatkundenseite nach Artikel 8 der Offenlegungsverordnung klassi ziert. Wir haben bereits 2007 für unsere Produkte einen „Sustainable Investment Check“ ein- geführt, einen Katalog mit über 100 Fra- gen. Nachhaltigkeit ist bei uns ein Thema in der Vermietung, in der Bewirtschaftung, bei den Instandhaltungen. Ich bin vom Wertschöpfungsbeitrag, den Nachhaltigkeit leisten kann, überzeugt. Ende vergangenen Jahres ist in einer Ber- liner Fondsimmobilie von Ihnen ein riesiges Aquarium geplatzt. Wie ist das aus Anle- gersicht ausgegangen? Das war natürlich ein absoluter Krisenfall. Gott sei Dank ist es nur zu zwei leichten Personenschäden gekommen. Die Krisen- kommunikation mit den Mietern, mit der Öffentlichkeit und den Anlegern, das war schon eine Herausforderung, da sind die Drähte heiß gelaufen.Was die Immobilien- und die Investorenperspektive betrifft, kön- nen wir uns in solchen Fällen auf unser strategisches Versicherungsmanagement verlassen, das dafür sorgt, dass in all unse- ren Gebäuden Sach- und Mietausfallschä- den abgesichert sind, sodass wir die Anle- ger schadlos halten konnten. Inzwischen sind die Aufräumarbeiten mehr oder weni- ger abgeschlossen. Das Radisson Hotel, in dem sich das Aquarium befand, wird erst im Sommer nächsten Jahres wieder öffnen. Das Aquarium werden wir aber nicht wieder aufbauen. Vielen Dank für das Gespräch. TILMAN WELTHER FP KURZ-VITA: Carsten Thiel Diplomingenieur Carsten Thiel ist Baumanager, Immobilien- und Finanzökonom. Seit fast 20 Jahren arbeitet er bei Union Investment Real Estate. Seit 2007 ist er Prokurist und managt unter anderem zwei der offenen institutionellen Immobilienfonds. Seit 2022 leitet er die Abteilung Fonds- management Immobilien. » Es wäre fahrlässig, wenn wir keine Stressszenarien entwickeln würden. « Carsten Thiel, Union Investment FOTO: © OHLIGSCHLÄGER | UNION INVESTMENT SACHWERTE Carsten Thiel | Union Investment 214 fondsprofessionell.de 3/2023

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=