FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2023

Drei dominante Riesen Die Einnahmen der Indexanbieter klettern. Der Markt wird von einem Oligopol beherrscht. Auch neue Trends beim Barometer-Bau brechen die Vormachtstellung der größten Akteure nicht. D er Börseneinbruch des Jahres 2022 bescherte weiten Teilen der Invest- mentwelt einen herben Rückschlag. Nicht jedoch den Anbietern von Indizes: Die Branche verzeichnete selbst im Krisenjahr einen Anstieg des Erlöses. So kletterte der Gesamtumsatz von S&P Dow Jones,MSCI, FTSE Russell und Co. auf das Rekordhoch von 5,33 Milliarden US-Dollar.Dies errech- nete die Beratungsgesellschaft Burton- Taylor Consulting. Das entspricht einem Anstieg von fast sechs Prozent. Das Wachstum fällt damit zwar etwas geringer aus als in den Vorjahren. Noch 2021 hatte der Wirtschaftszweig den Erlös um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern können. Über die vorangegan- genen fünf Jahre lag der Zuwachs im Schnitt bei fast zwölf Prozent pro Jahr. Doch trotz des leichten Temporückgangs stürmt die Branche von einemRekorderlös zum nächsten. Hinter der langfristig guten Geschäfts- entwicklung steht vor allem der Trend zu Indexinvestments. Der Aufstieg börsen- gehandelter Indexfonds (ETFs) bescherte auch den Barometer-Bauern steigende Ein- nahmen. So kletterten den Burton-Taylor- Analysten zufolge über die vergangenen fünf Jahre die Gebühreneinnahmen, die auf verwaltetem Vermögen fußen, im Schnitt um fast 13 Prozent pro Jahr. Der aus dem Produktvolumen entspringende Anteil der Einnahmen der Indexanbieter bezi ert sich auf 49 Prozent. Der übrige Teil der Einnahmen stammt aus anderen Indexlizenzen oder Datenpaketen. Trotz des anhaltenden Wachstums zeigt sich das Barometergeschäft in einer Hin- sicht geradezu beharrlich konstant. „Der Indexmarkt hat sich in den vergangenen Jahren mit Blick auf die Position der Anbieter kaum verändert“, sagt Christian Schmitt, Professor an der Hochschule der Bayerischen Wirtschaft. „Die Großen sind groß geblieben.“ Auf die drei Topanbieter MSCI, S&P Dow Jones und FTSE Russell entfallen 70 Prozent des Gesamtumsatzes. Im Jahr 2020 kam das Trio auf 68 Prozent des Branchenerlöses. Beim Bewährten bleiben Zwar feiern kleinere Anbieter wie das Center for Research in Security Prices der Universität Chicago oder Solactive aus Frankfurt Erfolge, doch im Großen und Ganzen kaufen Anleger Produkte, die auf etablierten Barometern fußen – selbst wenn Alternativen günstiger oder besser sein mögen. „Insbesondere institutionelle Investoren setzen eher auf bewährte Index- anbieter“, sagt Dag Rodewald, der bei der Schweizer Großbank UBS das ETF-Ge- schäft in Deutschland und Österreich leitet. Der Grund dafür sei auch die Verantwort- lichkeit gegenüber Gremien. „In dieser Position ist die Neigung eher gering, unbe- kannte Ansätze auszuprobieren“, erläutert Rodewald. » Investoren setzen eher auf bewährte Indexanbieter. « Dag Rodewald, UBS Marktmacht: Legen Kreuzfahrtschiffe in einem Hafen an, heben die umlie- genden Händler und Gastronomen ob der Touristenmassen mitunter die Preise an. Auch im Indexmarkt bestimmen die Anbieter den Preis. VERTRIEB & PRAXIS Indexanbieter 354 fondsprofessionell.de 3/2023 FOTO: © SILVERPICS | STOCK.ADOBE.COM

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