FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2023

mechanismus. Ab dann gehört man zum Kreis der von der EZB überwachten Insti- tute. Und der dafür nötige Aufwand sowie die damit verbundenen Kosten sind un- gleich höher als bei einer entsprechend kleineren Bank, die der nationalen Kon- trolle durch die Bundesanstalt für Finanz- dienstleistungsaufsicht unterliegt. Noch einmal zum Thema Bilanz: Was ist passiert, dass Ihre Bank hier Mitte 2023 ei- nen über 20 Prozent geringeren Wert ge- genüber demVorjahr ausgewiesen hat? Nichts Besorgniserregendes, ganz im Ge- genteil: Der Grund dafür lag in erster Linie in der vorzeitigen und vollständigen Rück- zahlung der Mittel, die unsere Bank in den Vorjahren aus den sogenannten TLTRO- Maßnahmen der EZB aufgenommen hat- te. Bei diesen im Englischen als Targeted Longer Term Re nancing Operations bezeichneten Maßnahmen handelt es sich um Langfristkredite mit sehr günstigen Konditionen,mit denen die EZB erreichen wollte, dass während der Covid-Krise die Wirtschaft weiter mit Krediten und damit genügend Liquidität versorgt werden kann. Damit war aber doch imVergleich zumVor- jahresbeginn eine Erhöhung des Gesamt- bankrisikos verbunden? Nein, weil wir für unser Kreditgeschäft über ausreichende Re nanzierungsmittel verfügen. Mit Blick auf das Gesamtbank- risiko können wir entspannt sein: Die harte Kernkapitalquote liegt Mitte 2023 bei 17,1 Prozent, die Gesamtkapitalquote bei 18,3 Prozent und so in beiden Fällen auf einem sehr soliden Niveau. Das zeigt auch das gu- te Abschneiden im EZB/EBA-Stresstest. Sorgen hat man sich gemacht, als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass der vierte Vorstand das Unternehmen verlassenwird. Waren Sie sozusagen von Anfang in der Rolle des Sanierers, der mit dem Besen durch die Führungsetage kehren sollte? Dies war bei meiner Berufung zum Vor- standsvorsitzenden der Apobank keines- wegs ausschlaggebend. Bei meinem Antritt vor gut 18 Monaten war mir – auch im engen Austausch mit dem Aufsichtsrat – gleichwohl schnell klar, dass einiges an Ver- änderungen innerhalb der Organisation der Bank notwendig ist. Dass nach nicht einmal einem Jahr unter Ihrer Führung sozusagen die komplette Führungsriege ausgetauscht war, werden aber auch Sie nicht als Normalfall ansehen. Der Normalfall ist das sicher nicht, aber es waren durchaus unterschiedliche und indi- viduelle Beweggründe, die zu dieser Ent- wicklung geführt haben. Damit war es für uns als wie gesagt EZB-kontrolliertes Insti- tut natürlich nötig, den Vorstand wieder auf die Größe von fünf Mitgliedern auszu- weiten. Und es macht mich stolz, dass wir das in einer Mischung aus drei Neuzugän- gen – Sylvia Wilhelm, Thomas Runge und mich selbst eingeschlossen – sowie zwei langjährig für die Bank aktiven Eigen- gewächsen – Christian Wiermann und Heiko Drews – in verhältnismäßig kurzer Zeit geschafft haben. Ich sehe uns da inzwi- schen auf einem guten Weg. Ganz wichtig ist mir dabei, dass wir dafür alle im Vor- stand als Team einstehen – mit einer klaren Strategie und mit einem klaren Kompass für die vor uns liegenden Aufgaben. Wo der Weg noch eher holprig zu sein scheint, das betrifft die Probleme bei der » Wir sind produktseitig und personell hervor- ragend aufgestellt, um unsere Vermögens- verwaltungsquote erheblich zu steigern. « Matthias Schellenberg, Apobank FOTO: © ANDREAS ENDERMANN fondsprofessionell.de 3/2023 413

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=