FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2023

Empfehlungen der Kommission sind ent- täuschend. Es braucht einen ö entlich ver- walteten Fonds, der breit diversi ziert das Geld der Verbraucher in Aktien anlegt – verlässlich und ohne unnötige Kosten und Gebühren“, kritisiert daher Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bun- desverbands (VZBV). „Trotz des Problem- bewusstseins hatte die Fokusgruppe keine Kraft für einen Reformvorschlag, der Ver- brauchern eine grundlegende Verbesserung bringt.“ Der VZBV hatte selbst einen Ver- treter in das Gremium entsandt. Garantie weg Bei anderen Punkten zeigte das Gremi- um Reformwillen, etwa bei den mickrigen Renditen der Riester-Verträge. Ein Grund dafür ist die vorgeschriebene vollständige Garantie der eingezahlten Beiträge, die sich nur über Anleihen darstellen lässt, was in der Niedrigzinsphase keinen Raum für In- vestments in höher rentierliche Assets ließ. Mittlerweile sind die Zinsen zwar wieder gestiegen, als Lehre aus dieser Zeit empfeh- len die Experten aber zum einen ein „för- derfähiges und zerti ziertes Altersvorsorge- depot, in dessen Rahmen in Fonds, aber auch in andere geeignete realwertorientier- te Anlageklassen investiert werden kann“. Zum anderen soll die vollstän- dige Beitragsgarantie für Fonds- produkte sowie reine Fondspo- licen entfallen und bei versiche- rungsförmigen und hybriden Produkten reduziert werden. Kosten Ferner fordern die Experten, die Kosten zu senken, die eben- falls die Renditen schmälern. Ein genereller Kostendeckel und damit eine Begrenzung der Vertriebsvergütungen ist aber kein Thema. Zudem sind die Vorschläge der Kommis- sion zur Kostenreduktion vage und allgemein, der Gesetzgeber hat großen Gestaltungsspielraum: „Die Fokusgruppe emp ehlt zur Senkung von Kosten, Produkt- und Bürokratieanforde- rungen zu vereinfachen und durch einfa- che und kostengünstige Wechselmöglich- keiten den Wettbewerb zwischen Anbie- tern in der Ansparphase sowie vor der Aus- zahlungsphase zu stärken. Abschlusskosten könnten in laufende Kosten auf die gesam- te Vertragslaufzeit umgerechnet werden“, schreiben die Experten. Einzig das Problem der erneuten Abschlusskosten bei einem Anbieter- oder Produktwechsel wird ange- sprochen: Auf die Abschlusskosten „könn- te verzichtet werden“ – eine klare Empfeh- lung sieht anders aus. Ebenfalls wichtig für Berater: Die Fokus- gruppe schlägt vor, dass „sowohl zu Beginn der Ansparphase als auch vor Beginn der Auszahlungsphase eine zusätzliche unab- hängige und individuelle Altersvorsorge- beratung erfolgen“ sollte. Zudem spricht sie sich dagegen aus, Altersvorsorgeprodukte zentral über Arbeitgeber nach dem Opt- out-Prinzip zu vermitteln – damit wären Berater weitgehend aus dem Rennen. Die Vergleichbarkeit und Transparenz der Kosten möchte die Fokusgruppe mittels verbindlicher Angaben in einem Produkt- informationsblatt gewährleisten, das auf den Standards der europäischen PRIIPs-Ver- ordnung (Packaged Retail and Insurance- based Investment Products) für verpackte Kapitalanlageprodukte basiert. Wahlfreiheit Ein oft vorgetragener Kritik- punkt an Riester-Renten ist der Verrentungszwang. Selbst ein Bank- oder Fondssparplan wird über Versicherer in eine lebens- lange Rente umgewandelt. Weil Versicherer mit Blick auf die Lebenserwartung sehr kon- servativ kalkulieren, ist die monatliche Rente in der Regel niedrig (siehe dazu auch den Beitrag auf Seite 262). Es „könnte auf eine verp ichten- de, in der Höhe konstante oder steigende Absicherung des Langlebigkeitsrisikos beispiels- weise ab der Regelaltersgrenze verzichtet werden, und höhere Anlegers Ex-Liebling Zahl der Riester-Verträge in Millionen Die höchste Zahl an bestehenden Riester-Verträgen zählte das Bundes- arbeitsministerium Ende 2017. Seitdem geht es bergab. Quelle:BMAS 0 5 10 15 20 ’22 2020 2015 2010 2005 2001 Mio.Verträge Versicherungen Banksparverträge Wohn-Riester Fondsverträge » Der Bericht zeigt den Paradigmenwechsel in der privaten Altersvorsorge. « Thomas Richter, BVI fondsprofessionell.de 3/2023 437 FOTO: © STEFAN GRÖPPER PHOTOGRAPHY

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